Tischkultur in der Neuzeit - Brokat und Kaviar
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Tischkultur in der Neuzeit

Tischkultur in der Neuzeit

Tischkultur gibt es seit Anbeginn der Menschheit. Schon in der Steinzeit, lange bevor es Tische gab, trafen sich die Menschen zum gemeinsamen Essen. Die Entwicklung bis zur heutigen Tischkultur erstreckt sich also über mehrere Jahrtausende und zeigt in ihrer Kultiviertheit durchaus ein Auf und Ab, wie es die sittsame antike Hochkultur versus der zünftigen mittelalterlichen Kultur veranschaulichen, und nicht einen geradlinigen Aufwärtstrend. Heutzutage steht Tischkultur für die kultivierte Art des Essens und Trinkens bei Tisch. Sie umfasst die Bereiche Tischdekoration, Tischsitte, Rituale, Zeremonien, Speisen und Getränke. 

 

ERWEITERUNG DES HORIZONTS

Das Zeitalter der Neuzeit mit Beginn etwa Anfang des 16. Jahrhunderts brachte die Aufklärung mit der Berufung auf die Vernunft, mit der Hinwendung zu den Naturwissenschaften, mehr Bürgerrechten und religiöser Toleranz; es brachte die Entdeckung der neuen Welt, die sukzessive Ausdehnung der Beziehung, insbesondere auch der Handelsbeziehungen in den Orient, nach Asien und in andere Länder und Kontinente der Welt, die Kolonialisierung und damit eine Fülle neuer Nahrungs- und Genussmittel nach Europa. War Getreide – je nach Region unterschiedliche Sorten in unterschiedlicher Gewichtung – im frühneuzeitlichen Europa bis in das 17. Jahrhundert eindeutig Grund- und Hauptnahrungsmittel, so wurden bald exotische Gewürze erschwinglich und entwickelten sich aus dem Ausland eingeführte Pflanzen, wie z.B. Kartoffeln, Mais, Kaffee, Tee, Kakao, Tomaten, zu festen Bestandteilen der europäischen Küche. Durch die Lockerung und Durchlässigkeit der Standesgrenzen verbreiteten, veränderten und verfeinerten sich auch die Essgewohnheiten und die Tafelkultur. Insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert wurden die Speisen für weite Teile der Bevölkerung vielfältiger und raffinierter, das Tafelgeschirr umfangreicher und hochwertiger. 

 

GESCHIRR

Nachdem es Anfang des 18. Jahrhunderts am Hofe des sächsischen Königs August des Starken gelang, das Geheimnis der Herstellung von Porzellan zu lüften und die Herstellung von Porzellan in Meissen auf der Albrechtsburg aufzunehmen, verbreitete sich zunächst an den deutschen und europäischen Fürstenhäusern, schließlich durch die zunehmende Technisierung und den Einsatz von Maschinen im 20. Jahrhundert auch in den bürgerlichen Haushalten die Verwendung von Geschirr mit einer sich immer weiter vergrößernden Palette. 

 

BESTECK, insb. DIE GABEL

Wurde im Mittelalter und am Anfang der Neuzeit noch überwiegend mit den Händen gegessen und waren nur Messer und Löffel bei Tisch in Verwendung, so fand in der Neuzeit langsam auch die Gabel als fester Bestandteil des Gedecks Einzug auf die Speisetafel. Galt die Gabel doch als Werkzeug und Symbol des Teufels und war ihr Gebrauch als Verhöhnung Gottes im Mittelalter von der Kirche verboten, so wurde sie im 16. Jahrhundert zunächst vereinzelt bei den adeligen Festessen eher im italienischen und französischen Raum – und dort zunächst zum Aufspießen von Fruchtstücken zur Vermeidung von Flecken durch den herabtropfenden Fruchtsaft – verwandt. Sie galt noch des Längeren als affig, geziert und weibisch und war Gegenstand von Kritik und Gespött. Doch Anfang des 18. Jahrhunderts setzte sich die Gabel immer mehr durch und wurde ein Symbol des Vornehmen und des Luxus. Es dauerte schließlich noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts, bis diese Form des Speisens dank aufkommender Massenproduktion üblich wurde.

 

MAHLZEITEN

In den meisten europäischen Regionen waren zunächst, wie auch im Mittelalter, zwei Mahlzeiten die Regel. Die Zeiten und die Gewichtung variierten nach Region und klimatischen Verhältnissen. Während im Norden eher das Morgenmahl das Hauptgericht darstellte, galt in den südlichen Gefilden eher das Abendessen als Hauptmahlzeit, wobei es je nach Region, Zeit, Stand und wirtschaftlicher Lage durchaus von der Regel abweichende Gepflogenheiten gab. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts bis heute werden die Mahlzeiten aber eher wieder, wie bei den alten Römern, dreimal am Tag eingenommen; für die heutige Zeit gilt dies zumindest theoretisch. 

 

FAST FOOD

Die Essensgepflogenheiten in der westlichen Welt sind nämlich schon seit Längerem im Wandel begriffen. Dies liegt in erster Linie daran, dass aufgrund der zunehmenden Schnelllebigkeit und des höheren Tempos unserer Gesellschaft weniger Zeit für die Essenszubereitung und zum Essen aufgewendet wird. Es muss heutzutage schnell gehen, und so ersetzen Fast Food, Convenience Food, Stehimbiss, Coffee to go usw. so manches Tischdecken und gemeinsames Essen.  

 

RÜCKKEHR ZUR TISCHKULTUR

Als Reaktion auf diese Entwicklung ist allerdings seit geraumer Zeit auch wieder eine gegenläufige Strömung zu erkennen, die dahin geht, dass, wenn es zu einem Mahl in angemessener Ruhe kommt, vermehrt Wert auf Gesundheit, Qualität, Nachhaltigkeit des Essens und Schönheit der Präsentation gelegt wird.

Mittlerweile, da die Tischkultur soweit fortentwickelt ist, dass für die diversen Gänge und Speisen Platten, Teller, Trinkgefäße und Bestecke zahlreich und in unterschiedlichster Ausfertigung erhältlich sind, kann man sie dann auch in wahrer Fülle je nach Üppigkeit der Speisenfolge und Aussteuerausstattung vorfinden bzw. auftischen, wobei auch auf feine und kunstvolle Tischdekorationen zunehmend Wert gelegt wird.

Für die Vielfalt nur beispielhaft seien Utensilien erwähnt, von denen bzw. mit denen man Speisen zum Mund führt, also ohne Vorlegeschüssel und -besteck u.a.: Frühstücksteller, Brotteller, Platzteller, Vorspeisenteller, Hauptspeisenteller, Suppenteller, Unterteller der Suppentasse, Salatteller, Unterteller der Kaffee- und Teetasse, …; Suppen- und Suppentassenlöffel, Dessertlöffel, Teelöffel, Kaffeelöffel, Mokkalöffel, Eierlöffel, Cocktaillöffel, Eislöffel, Grapefruitlöffel, Kiwilöffel, Baby-Querlöffel, Kaviarlöffel, …

Na, dann lassen Sie uns den Löffel mal nicht so schnell abgeben.

 

BILD: Max Liebermann (* 1847, † 1935), Terrasse im Restaurant Jacob in Nienstedten an der Elbe, Public domain via Wikimedia Commons.

 

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