Tischkultur im Mittelalter - Brokat und Kaviar
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Tischkultur im Mittelalter

Tischkultur im Mittelalter

Das Mittelalter – in etwa zwischen dem 6. und 15. Jahrhundert – gilt als ‚dunkles Zeitalter‘ in mancherlei Hinsicht und so auch bei der Tischkultur. Geschirr-, besteck- und benimmtechnisch ging es da in allen, ob adeligen oder bäuerlichen, Haushalten deutlich ‚ungezwungener‘ zu als in der Antike. Auch wenn es hier im Laufe der Jahrhunderte Entwicklungen gab, so wurden doch im Wesentlichen erst im Spätmittelalter das Thema Tischkultur etwas verwissenschaftlicht und Abhandlungen hierzu verfasst, die sich dann freilich in erster Linie auf die Oberschicht bezogen. Mahlzeiten gab es, anders als in der Antike, in der man dreimal täglich aß, nur zweimal am Tag.

 

GESCHIRR

Selbst reiche Haushalte besaßen bis zum 14. Jahrhundert nur wenig Geschirr. In den einfachen Haushalten gab es lediglich eine offene Feuerstelle, die gleichzeitig als Wärmequelle für das Haus diente und sich zumeist in der Mitte des Wohnraumes befand. Über dieser wurde in einem großen Kessel ein Eintopf zubereitet, aus dem auch gegessen wurde.

Erst seit etwa dem 10. Jahrhundert entwickelten sich in den wohlhabenderen Familien vom Wohnraum getrennte Küchen. Die Speisen wurden dann meist auf Platten oder in großen Töpfen aus der Küche in den Speisesaal getragen und von dort genommen und zum Mund geführt. Häufig dienten Brotscheiben als Teller, die fettdurchzogen nach Verzehr der Auflagen zum Teil an die Armen oder aber an die Haustiere abgegeben wurden. Teller aus Holz oder zunehmend auch aus Zinn als Unterlage für die einzelnen Portionen fanden später ebenfalls Verwendung.

Weitere Geschirrmaterialien waren Keramik, Steinzeug, Metall, Bronze, Messing, Kupfer, Silber und Glas z.B. in prunkvoller Gestaltung als emailbemalte Becher mit Szenen aus dem höfischen oder kirchlichen Bereich.

Der Fürst besaß üblicherweise sein eigenes komplettes Gedeck bestehend aus Teller, Schüssel, Trinkgefäß, Messer und Löffel. Im Übrigen wurden bei Festmahlen die Schüsseln meist von zwei Personen geteilt und selbst Trinkbecher wurden gemeinsam benutzt.

 

BESTECK

Löffel, die in wohlhabenden Häusern häufig aufwändig und aus edlem Material gearbeitet und mit kunstvollen Griffen, z.B. aus Bergkristall, Elfenbein oder Perlmutt, versehen waren, wurden dem Gast meistens zur Verfügung gestellt, ggf. hatte er auch diesen mit seinem Tischnachbarn zu teilen.  Sein eigenes Messer brachte man, so man eins hatte, mit. Ansonsten kamen die Speisen in zuvor zerteilten Happen auf den Tisch, so dass Messer bei Einladungen an und für sich individuell nicht zum Einsatz kommen mussten. Gabeln benutzte man nicht. Aufgrund ihrer Zinken erinnerten sie an den Teufel und waren als dessen Symbol von der Kirche verboten. Erst gegen Ende des Mittelalters wurden Gabeln teilweise auch in Mitteleuropa genutzt.

Gemäß der kirchlichen Doktrin waren die menschlichen Finger würdig genug, Gottes Gaben zu berühren. Größtenteils aß man also immer noch mit den Fingern und, obwohl man Messer, Gabel und Löffel kannte, hatten diese Bestecke nur einen eingeschränkten Einsatzbereich.  Während im frühen Mittelalter zum Essenfassen keine besonderen Vorschriften bekannt sind, galt es im Hochmittelalter als vornehm, das Essen lediglich mit drei Fingern, dem Daumen, dem Zeige- und dem Mittelfinger, zu greifen und die beiden anderen Finger elegant abzuspreizen.

Es dauerte schließlich bis ins 17. Jahrhundert, bis sich das heute bei uns übliche Besteck durchzusetzen begann, und erst mit der industriellen Massenproduktion setzte sich die Gabel bei allen Bevölkerungsschichten durch.

 

SITZORDNUNG

Die Sitzordnung wurde von der Hierarchie bestimmt. Die Ranghöchsten wurden zuerst bedient und erhielten die besten Speisen. Den rangniedrigeren Personen wurde nur serviert, was die Ranghöheren nicht verzehrten und übrigließen.

 

HYGIENE

Vor dem Mahl gab es das ‚öffentliche Handwaschen‘. Servietten waren eher unüblich. Dafür waren die Tischtücher größer. Sie reichten fast bis zum Boden und übernahmen die Funktion einer Serviette, gelegentlich auch die eines Taschentuches. Später wurde auch zwischen den Gängen die Möglichkeit geboten, die Hände zu waschen.

 

FRAUEN UND ETIKETTE

Im frühen Mittelalter waren Frauen von Banketten und Festmahlen ausgeschlossen. Sie aßen unter sich in den Frauengemächern. Erst ab etwa dem 11. Jahrhundert ließen die Ritterkreise gelegentlich auch Frauen am Essen teilnehmen und mit der Zeit des Minnekultes wurde ihre Anwesenheit bei den adeligen Festmahlen üblich. Gleichwohl wurde von den Frauen Mäßigung erwartet, sodass sie sich häufig vorher in den Frauengemächern satt aßen. Allerdings besserte sich mit der zunehmenden Anwesenheit von Frauen auch die Etikette und so wurde schlechtes Benehmen, z.B. in Form von Ungepflegtsein, Nase putzen mit dem Tischtuch, Spucken, Finger ablecken oder unbeherrschtes Zugreifen zu den Speisen sowie unmäßiges Trinken etc. thematisiert und zurückgedrängt.

 

BILD: Pieter Brueghel der Älteren (* 1526/1530, † 1569), Die Bauernhochzeit, Public domain via Wikimedia Commons.

 

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